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Warum sollte man sich für die Bandscheibenprothese entscheiden?

Eine Fusion/Spondylodese (mit oder ohne Schrauben oder Käfige; immer in Kombination mit einem Knochentransplantat) scheint weiterhin die Standardbehandlung für Patienten mit einer schmerzhaft degenerativen Bandscheibenerkrankung. Allerdings gibt es seit über 20 Jahren eine alternative Behandlungsmethode, bei der die schmerzhaft degenerierte Bandscheibe mit einem Bandscheibenimplantat ersetzt wird.

Die Entfernung der Bandscheibe alleine kann Rückenschmerzen nicht beheben. Es ist erwiesen, dass Bandscheibenoperationen (wobei lediglich der vorgefallene Bandscheibenteil entfernt wird) insbesondere erfolgreich Beinschmerzen beheben können. Rückenschmerzen können allerdings zurückbleiben oder sogar zunehmen. Bei einer Fusion/Spondylodese (über den Rücken- oder Bauchzugang) werden Teile der schmerzhaften Bandscheibe entfernt und jegliche Bewegung des Segments wird unterbunden. Die Bandscheibe wird mit Knochenteilen aus dem Becken ersetzt – mit oder ohne Käfig. Für gewöhnlich sind diese Wirbel umgehend fixiert, allerdings benötigt es für eine solide Fusion einige Zeit, da das Einwachsen der Knochentransplantate sehr zeitintensiv ist. Die Einsteifung des Wirbelgelenks hat auch Nachteile: da die Scharnierfunktion des Gelenks unterbunden ist, wird die Bewegungsbelastung auf die benachbarten Gelenke umgelegt. Die überbeanspruchten, benachbarten Gelenke sind nun stärker gefährdet ebenso zu erkranken als vor der Operation.

Die Bandscheibenprothese indes ermöglicht weiterhin fast physiologische Bewegungsabläufe. Es gibt viele Gründe, weshalb wir die Bandscheibenprothesenoperation gegenüber der Fusion bevorzugen:
  • Die Bandscheibenprothese ermöglicht eine fast natürliche Beweglichkeit des Wirbelsegments
  • Natürliche Ausrichtung und Höhe der Bandscheibe werden wieder hergestellt
  • Gute Operationsergebnisse bei über 85 %
  • Die subjektive Patientenzufriedenheit nach Prothese beträgt 50 %, (nur 5 % nach Fusion)
  • Eine Degeneration der benachbarten Segmente kann meist vermieden werden
  • Selbständiges Gehen bereits direkt nach Prothese Operation möglich
  • Rasche Genesung und schnelle Schmerzreduktion
  • Kurze Rehabilitation und schnelle Rückkehr ins Berufsleben möglich (nach 2-6 Wochen)
  • Nach jeder Operation können Schmerzen verbleiben, die Re-Operationswahrscheinlichkeit nach der Protheseoperation ist jedoch um 50 % geringer als nach einer Fusion
  • Die Anzahl der Patienten, die nach einer Operation in einem perfekten Zustand zu ihrer Arbeit zurück kehren können ist nach der Protheseoperation sehr viel höher, als nach einer Fusion (Quelle: Round Tables In Spine Surgery, Volume 1 o Number 4 o 2006, B. Conix, R. Hes, Middelheim, Antwerpen

Weitere Informationen zur Bandscheibenprothese

Die Bandscheibenprothese erlaubt eine fast natürliche Beweglichkeit der Wirbelsäule. Ein Einwachsen von Knochenmaterial wie bei einer Fusion muss nicht abgewartet werden. Eine Bandscheibenprothese besteht aus zwei metallenen Abschlussplatten mit einem mobilen Kern. Der konstante Druck zwischen zwei Wirbeln hält die Prothese in stabiler Lage. Die Form der Prothese und die bioaktive raue Oberfläche der beiden Abschlussplatten sorgen direkt nach dem Eingriff für eine primäre Fixierung. Klebstoff, Zement oder Schrauben werden nicht benötigt. Die Prothese funktioniert optimal, wenn die benachbarten Wirbelknochen intakt sind und das Implantat zentriert platziert wird. Die benachbarten Wirbelgelenke werden wesentlich weniger belastet, als nach einer Fusion (McAfee et.al.) und die natürliche Zwischenwirbelhöhe ist wieder hergestellt. Laboruntersuchungen haben ergeben, dass die Bandscheibenprothese fast identische Bewegungsabläufe wie eine gesunde menschliche Bandscheibe ermöglicht. Die Prothese kann auf mehreren erkrankten Etagen eingesetzt werden. Statistisch haben 1-Etagen Operationen dieselben guten Ergebnisse, wie auch 2-Etagen Operationen. Drs. Zeegers hat auch gute Erfahrungen mit der Implantierung auf 3 Etagen gemacht. Generell ist dieser Ansatz eine gute Möglichkeit die Wirbelsäule beweglich zu erhalten.

Die besten Ergebnisse nach einer Bandscheibenprothese werden bei ansonsten gesunden Patienten mit einer chronischen Rücken-Bein-Erkrankung aufgrund einer „schmerzhaft degenerierten Bandscheibe“ erreicht. Auch nach einer gescheiterten Bandscheibenoperation mit verbleibenden Rückenschmerzen können mit der Bandscheibenprothese sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Für Patienten mit wiederkehrenden Rückenschmerzen nach einer Fusion kann eine Prothese der benachbarten - darunter oder darüber liegenden - Etage die gewünschten Ergebnisse erzielen. Die meisten Kliniken favorisieren jedoch nach wie vor die Versteifung (Fusion) für chronische Rückenerkrankungen. Unserer Meinung nach sollte die Versteifung erst in Betracht kommen, wenn eine Bandscheibenprothese klar als kontraindiziert ausgeschlossen wurde.

In seltenen Fällen kann die Beweglichkeit des Bandscheibensegments nach einer Protheseoperation von Nachteil sein: 1) Ein irritierter Nerv kann weiterhin gereizt werden. Heutzutage werden die Nerven deshalb intraoperativ überwacht, um post operative Reizungen zu verhindern. 2) In manchen Fällen kann es zu einer Verschlimmerung der Facettenarthrose führen. Ein direkter Zusammenhang mit der Prothese konnte bisher allerdings nicht nachgewiesen werden.

Intraoperative Nervenwurzelüberwachung

Die so genannte EMG NeuroVision ermöglicht die Überwachung der Spinalnervenaktivität in Echtzeit während der gesamten Wirbelsäulenoperation. Wird ein Bandscheibenimplantat zu eng an den Spinalnerv eingebracht, wird der Operateur augenblicklich durch ein Alarmsignal gewarnt. Dank dem kielfreien Design kann die Lage des Implantats ohne Probleme so weit angepasst und verändert werden, bis der Monitor die sichere Lage bestätigt.

Die Diskographie

Bei den meisten Patienten wird im Vorfeld ihrer Operation eine Diskographie-Untersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung bestätigt eine dehydrierte oder degenerierte Bandscheibe als der tatsächliche Schmerzauslöser. Die Diskographie ist eine relativ neue Diagnostische Untersuchung, die in Lokalanästhesie durchgeführt wird. Hierbei wird ein Kontrastmittel (gemischt mit Antibiotika) über eine dünne Spinalnadel in die Bandscheibe eingebracht. Eine krankhafte, degenerierte Bandscheibe wird ermittelt, sobald durch den zusätzlichen ein Erinnerungsschmerz ausgelöst werden kann und die hierbei entstandenen Kontrastmittelaufnahmen ausgewertet wurden.

Wann ist die Bandscheibenprothese kontraindiziert?

Bei Zweifeln bezüglich der Schmerzquelle ist von einer Bandscheibenprothesenoperation abzusehen. Im Falle einer starken Degeneration der Facettengelenke, Narbengewebe nach einem früheren Bandscheibenvorfall, Infektion oder schlechter Knochenqualität ist die Bandscheibenprothese kontraindiziert. Bei Frauen über 40 sollte zunächst die Qualität der Wirbelgelenke mittels eines Knochendichtetests festgestellt werden.

Nach einer Bandscheibenprothesenoperation können die meisten Patienten innerhalb sechs Wochen wieder ins Berufsleben zurückkehren. Jüngere Patienten scheinen dabei besser abzuschneiden, als ältere. Der „ideale Patient“ ist jünger als 45 Jahre alt, nicht voroperiert, mit einer verhältnismäßig intakten Wirbelsäule und verfügt über eine gute Knochenqualität. Allerdings können auch ältere Patienten gute Ergebnisse mit der Bandscheibenprotheseoperation erreichen.



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