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Die Entwicklung der Bandscheibenprothese

Anfang der 1980er Jahre begann man in der orthopädischen Abteilung des Ost-Berliner Charité Krankenhauses mit der Entwicklung einer drei-Komponenten-Bandscheibenprothese. Primäres Ziel war es die Traktionsbelastung so gering wie möglich zu halten. 1985 wurde schließlich die Schellnack-Büttner-Janz/Charité Prothese vorgestellt. Seit 1987 wird diese Prothese – nach einigen Verbesserungen und Neuerungen –als die Link Endoprothese Model SB Charité Typ III (später wurde sie in DePuy Charité Prothese umbenannt) in über 30 Ländern implantiert. Im Jahre 2004 wurde die Charité Prothese durch die Amerikanische Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA = Food and Drug Administration) zugelassen, gefolgt von der Marnay Bandscheibenprothese im Jahr 2006. Inzwischen arbeiten über 20 Hersteller an der Entwicklung fusionsfreier Techniken, insbesondere an immer besseren Bandscheibenprothesen für den Rücken- und Nackenbereich.

Vor kurzem feierten zwei Patienten den 20ten Geburtstag ihrer Charité Bandscheibenprothesen, die von Frau Dr. Karin Büttner-Janz in Ostberlin eingesetzt wurden.
 

Die Bandscheibenprothese

Im Jahre 1989 begann der Wirbelsäulenspezialist Drs. Willem Zeegers mit der Implantation der Link-Charité Typ III am Sittard Krankenhaus in den Niederlanden. Nicht jeder der damals operierten Patienten wurde schmerzfrei, allerdings begann für viele der Patienten mit dem Implantat ein neues Leben. Patienten aus ganz Holland suchten Drs. Zeegers Sprechstunde auf, Kollegen aus aller Welt hospitierten bei seinen Operationen. Seit August 2000 behandelt Drs. Zeegers seine Patienten ausschließlich in der Wirbelsäulenabteilung der Alpha Klinik in München.

Im Jahre 2004 wurde die Link-Charité Bandscheibenprothese Typ III von der amerikanischen FDA zugelassen, allerdings begrenzt auf eine der Bandscheibenebenen L3-4, L4-5 oder L5-S1. Eine zweite Prothese wurde zwei Jahre später mit den gleichen Beschränkungen zugelassen. Die rasche Entwicklung der Operationsinstrumente und die ständigen Verbesserungen der Implantate überholen dabei längs die langsam funktionierende FDA-Behörde. Die neueste Generation der europäischen Bandscheibenimplantate ist inzwischen weit sicherer und effektiver als die früheren, in den USA zugelassenen, Implantate, weshalb Drs. Zeegers vor einiger Zeit erfolgreich auf die Active L Prothese für die Lendenwirbelsäule und die klug ausgetüftelte Mobidisc C für den Nacken umgestiegen ist.

Operationen von mehr als einer Etage sind heute üblicher als der Einsatz einzelner Implantate. Die Genesungszeiten und Erfolgsaussichten sind hierbei mit den Ergebnissen von Einzelimplantaten vergleichbar. Aufgrund der großen Erfahrung mit der Technik und der ständig verbesserten Implantate können inzwischen Erfolgsquoten von über 85 % verzeichnet werden.
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Indikation und Grundlagen der Bandscheibenprothese

Eine gut abgestimmte Diagnose ist zwingend erforderlich:
A) Eine degenerierte Bandscheibe, die mit größter Wahrscheinlichkeit eine DDD (Degenerative Disc Disease = stärkste Rücken- und Beinschmerzen mit starken Einschränkungen des täglichen Lebens) auslöst, muss nachgewiesen werden.
B) Wurde eine solche symptomatische Bandscheibe nachgewiesen, ist die Wiederherstellung oder Erneuerung der fraglichen Bandscheibe die logische nächste Stufe. Die Behandlungsprinzipien sind immer folgende: 1) + 2) Entfernung der degenerativen, schmerzhaften Bandscheibe, 3) Distraktion des früheren intervertebralen Raums.

Um einen Einsturz des intervertebralen Raums zu verhindern, muss ein Platzhalter eingebracht werden: dabei kann es sich um Knochenimplantate, Käfige oder Bandscheibenprothesen handeln. Die Bandscheibenprothese arbeitet dabei doppelt effektiv, sie dient als Platzhalter und erhält zudem die Mobilität des Wirbelgelenks. Hierbei werden 1) Schmerzen gelindert und 2) der Degeneration benachbarter Wirbelgelenke vorgebeugt.

Die neue Generation von Bandscheibenprothesen

Drs. Zeegers hat mit den neuesten Prothesen folgende Erfahrungen gemacht:

1) Insbesondere auf Höhe von L5/S1 muss die Distraktion des intervertebralen Raums eingeschränkt werden, um Irritationen der Nervenwurzel zu verhindern.
 
 

2) Die metallenen Endplatten sollten so gut wie möglich an die natürliche Wölbung der menschlichen Wirbel anschließen. Es besteht insbesondere Bedarf für eine spezielle L5/S1 Platte.
 
 

3) Beim Design der Endplatten sollte auf einen Keil oder Finne unbedingt verzichtet werden. Die Stabilität wird durch einen Keil nicht wesentlich verbessert, dafür kann er den Wirbelknochen beim Implantieren beschädigen oder gar brechen. Er erschwert zudem die wichtigen Korrekturen der Implantatlage und kann aufgrund des Erschwerten Zugangs an der Mittellinie zu schweren Komplikationen bei eventuellen späteren Revisionen führen. Weiterhin könnten Verankerungszähne im dorsalen Teil der Endplatte zu Frakturen der dorsalen Wirbelkante führen.
 
 

4) Die Neupositionierung oder Entfernung der Implantate sollte mit speziell dafür angefertigten Instrumenten durchgeführt werden.
 

5) Das Implantat sollte den natürlichen, physiologischen Bewegungsradius der Wirbel nicht überschreiten.
 
 

6) Der Einsatz der Implantate muss über unterschiedliche Zugänge möglich sein: nicht nur über die Mittellinie, sondern auch schräg oder von anterolateral (von vorne-außen-seitlich) möglich sein.
 
 

 

7) Abnutzungserscheinungen der Plastikelemente sollten unwesentlich sein, der Kern sollte bis ans Lebensende intakt bleiben. Die heutige Generation der Bandscheibenprothesen besteht nach wie vor aus zwei mikrobeschichteten Abschlussplatten mit einem hochwertigen, mobilen Polyethylen-Gleitkern. Das gegenwärtige Design garantiert einen optimalen Schutz des Gleitkerns und die beinahe physiologische Form der Active L gewährleistet eine symmetrische Ausrichtung in der Lendenwirbelsäule, was einer punktuellen Überladung des Kerns entgegenwirkt. Der konstante Druck zwischen zwei Wirbeln hält die Prothese in stabiler Lage. Die Form der Prothese und die bioaktive raue Oberfläche der beiden Abschlussplatten sorgen direkt nach dem Eingriff für eine primäre Fixierung



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